Die CDU und ihr ausgeprägter brauner Rand

27. November 2004 | Von Archiv | Kategorie: Deutschland, Politik

Gelegentlich sind Mitglieder der CDU/CSU in allen RĂ€ngen durchaus stolz auf ihre “IntegrationsfĂ€higkeit”. Sie kolportieren die These, ohne diese IntegrationsfĂ€higkeit gĂ€be es lĂ€ngst eine “neue Nazi Partei”. CDU/CSU Strategen haben schon immer die These gepflegt, es dĂŒrfe “keine Partei Rechts von der CDU/CSU” geben.
Diese Argumentation könnte und soll die/der geneigte Zuhörer/in fĂŒr “ehrenwert” halten, wenn nicht, ja, wenn nicht in immer kĂŒrzeren AbstĂ€nden CDU/CSU Politiker/innen in durchaus einflussreichen Positionen mit geschlossenem Rechtsradikalem Weltbild von sich reden machen wĂŒrden.

Der Fall des Hans-JĂŒrgen Irmer, Sprecher der Landtagsfraktion der hessischen CDU und die einstimmige Solidarisierung der CDU-Fraktion lĂ€sst Zweifel am Zustand der CDU-Fraktion, insbesondere an der Gewissensfreiheit aufkommen. Irmers seit Jahren bekannte und stĂ€ndig, in nicht selten derben Worten, verbreiteten Thesen stießen zwar auch innerhalb der CDU-Landtagsfraktion auf Kritik. Letztlich beugten die Kritiker sich im Zuge unertrĂ€glichen DuckmĂ€usertums der sogenannten Fraktionsdisziplin.

Auch Mitglieder und FunktionĂ€re der Partei protestierten, wie unter anderem Rolf Ohler, CDU Kreisvorstand, CDU Stadtbezirksvorsitzender, AK Leiter Intergration & Zuwanderung und LSU Verantwortlicher fĂŒr Hessen, der in einem eMail Schaden fĂŒr die Partei befĂŒrchtet (Zum eMail von Rolf Ohler).

Die sichtbare Erscheinung in Form von öffentlichen und veröffentlichten Äußerungen der CDU/CSU Rechtsausleger sind gewiss nur die Spitze des Eisberges (eine fĂŒr unsinkbar gehaltene Titanic ist an einer solchen Spitze gescheitert). Was sich in den Hinterzimmern der Politzirkel, Tagungen von VertriebenenverbĂ€nden, in den Think-Tanks abspielt, lĂ€sst sich nur erahnen.

Ein denkwĂŒrdiges Zeitdokument ist und bleibt der Panorama – Film (Leider nur noch als PDF-Text einzusehen, Filmmitschnitt eventuell ĂŒber Mitschnittdiens, Red. 6.7.2007).

Bereits in der Start-Sequenz sieht man den MinisterprÀsidenten (!) Roland Koch, der nichts dabei findet, mit bekennenden Nazis und Rechtsextremisten die Nationalhymne zu singen (Studienzentrum Weikertsheim). Koch sei gefragt, welches Deutschland er meint?

Es gibt zu denken, wenn der CDU – Mann KnĂŒtter im Film mit einer Lobeshymne auf den “schlagkrĂ€ftigen Einsatz der jungen Kameraden” zitiert wird und er deren Eignung fĂŒr “Saalschlachten” hervorhebt.
Von welchem Deutschland trÀumt dieser Mann?

Da ist, ebenfalls beispielhaft, ein Jörg Schönbohm aus Berlin, ehemals CDU Innensenator, der in unseren StĂ€dten Regionen ausmacht, in denen “man sich nicht in Deutschland” befĂ€nde und fordert, diese “Ghettos” mĂŒssten “aufgelöst” werden. Eine Sprache die an die Sprachregelung zu Zeiten des Warschauer Ghetto gemahnt.

Es passt ins Bild, dass CDU Politiker (wieder dabei: Roland Koch) VerstĂ€ndnis fĂŒr Folter Ă€ußern. Das wird nicht legitimer, wenn sich auch ein Lafontaine in dieser Richtung ausließ.

Der gesamte Landtag in Deutsch-SĂŒdwest findet nichts dabei, den NS-Richter Filbinger zu “ehren”, der es unter tatkrĂ€ftiger Mithilfe der CDU zum MinisterprĂ€sidenten brachte (trotz oder wegen seiner Vergangenheit?).

Da gibt es den Verleger und CSU-Mann Fleissner, Verlagsgruppe Langen, Herbig, MĂŒller, der zum Antisemitischen Think-Tank gerechnet werden kann, zumindest eine mehr als offene Flanke zum Rechtsradikalismus aufweist. Selbstredend war er einer der prominenten Unterzeichner des Pro-Hohmann Aufrufs.

Fleissner Autor KĂŒhn distanzierte sich kurz vor seinem Tod mit den Worten: “Fleissner ist ein Rechter und RoßtĂ€uscher. Er publiziert nationalistischen und antisemitischen Mist, um das zu verbergen sucht er linke FeigenblĂ€tter, damit das Ganze nicht auffĂ€llt. Der Kerl ist, um ungefĂ€hrdet rechten GedankenmĂŒll unters Volk zu bringen, geradezu penetrant gegenĂŒber Linken, die er unbedingt produzieren will. Das kann er mit mir nicht machen, ich hab den Typ Fleissner durchschaut”, (http://www.a-i-z.net/maxbrym/html/as_fleissner.htm).

Da gibt es den “Konservativen GesprĂ€chskreis Hannover”, das “Studienzentrum Weikertsheim” und andere illustre Runden die sich reger Beliebtheit bei Politikern und Mitgliedern der CDU/CSU erfreuen. Vor dem Hintergrund, dass auch ein Friedrich Merz, eine Angela Merkel oder der Gipfel der Scheinheiligkeit, ein Laurenz Meyer, alle immerhin ReprĂ€sentanten der CDU-Bundesebene, der Internetnutzung mĂ€chtig sein dĂŒrften, sind ErklĂ€rungen, man habe davon nichts gewusst, kenne diese Leute gar nicht, natĂŒrlich besonders “glaubwĂŒrdig”. Ein Blick in das IDGR Lexikon des Rechtsradikalismus genĂŒgt – Link anbei http://lexikon.idgr.de/k/k_o/konservativer-gespraechskreis-hannover/kgh.php und zur Vereinfachung direkt auf die Seite gelegt.

Die Liste der Neu-Rechten der CDU/CSU ließe sich seitenweise fortsetzen. Dass die CDU/CSU zur bevorzugten Heimat “ehemaliger” Nazis wurde, ist hinlĂ€nglich erforscht, jedoch eine andere Geschichte, die zur GedĂ€chtnisauffrischung gewiss gelegentlich zu erzĂ€hlen sein wird.

Dass die hessische CDU die Landtagswahl in Hessen mit einem extrem rassistischen Wahlkampf gewann, bleibt fest als unrĂŒhmliche Geschichte dieses Bundeslandes verankert. Es passt ins Bild, dass es nur knapp verhindert werden konnte, dass dieser Wahlkampf als Vorlage fĂŒr den Europawahlkampf und gegen die Aufnahme der TĂŒrkei in die EU Verwendung finden konnte.

Die hessische CDU verdient besondere ErwÀhnung:
Sie hat sich auf außerordentlichen öffentlichen Druck und letztlich nach einem Machtwort der Bundeschefin Merkel hin von Martin Hohmann getrennt. Das Zögern und Zaudern insbesondere des Roland Koch, der Proteststurm aus den Reihen der hessischen CDU gegen diese Entscheidung macht eins deutlich: Antisemitismus, Rassismus und strammes braunes Gedankengut sind tief in der hessischen Gesellschaft angekommen und die Abwehr der ohne Zweifel in der CDU ebenfalls zu findenden Demokraten ist lau.

Man muss sich Fragen, wer den politischen Mainstream in dieser Partei bestimmt. Das Signal, dass diese Partei sendet ist jedenfalls mehr als fatal. Die hessischen Demokraten aller Parteien, also auch die in der CDU, können die Weigerung der Landtagsfraktion nur so und eindeutig verstehen:

Koch und seine Truppe sind der Auffassung, ein Hohmann war genug.

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Links zum Fall Irmer:

Irmer und der Wetzlar Kurier, Jugendnetz Wetzlar

CDU distanziert sich nicht von Irmer, FAZ

Pressemitteilung der GRÜNEN

Antrag der SPD zum Fall Irmer

Der den Volkszorn formuliert, TAZ

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