Hierr * maarrrschierrt * der * teutsche * Obstbestand …
8. Mai 2010 | Von bruni | Kategorie: Deutschland, Leitartikel, PolitikWiesbaden – Erbenheim. Etwas abgelegener Vorort von Wiesbaden. Die zuständige Polizeibehörde entblödete sich wieder einmal nicht, ein kostenintensives Polizeiaufgebot bereit zu stellen. Sie verwandelte den Stadtteil in ein Sammellager im Ausnahmezustand. Ca. 1.500 bis 2.000 Menschen, die friedlich ihr Demonstrationsrecht wahr nehmen wollten, wurden kurzerhand am verlassen des Platzes gehindert und über Stunden eingesperrt. Zuvor war es schon abenteuerlich, den Ort überhaupt zu erreichen. Sämtliche Autobahnabfahrten: Gesperrt. Öffentlicher Nahverkehr stark behindert.
Der Aufwand wurde betrieben, um ca. 50 Neonazis ihren Auftritt zu gewährleisten. Natürlich wäre das auch anders gegangen. Wenn eine Stadtregierung schon der Meinung ist, sie müsse Nazis ein Forum geben, hätte es genügt, die handvoll braunen Auftrieb mit einem, sagen wir fünftel, des Aufgebotes zu umstellen. Dort hätten sie gut geschützt ihre braunen Hetzreden schwingen und sich zum Gespött der Gegendemonstrant/innen machen können, ohne dass dies unverhältnismäßige Kosten und sonstigen Schaden angerichtet hätte.
So aber wurde das Demonstrationsrecht der Gegner/innen zugunsten des Demonstrationsrechts der Nazis außer Kraft gesetzt. Mit beherztem demokratischen Einsatz hat das jedenfalls gar nichts zu tun. Überhaupt – Demokraten. Zu vermerken ist, dass die Teilnahme von städtischen Parlamentarier/innen, oder gar Landesparlamentarier/innen ausgesprochen gering ausgefallen ist.
Gerade im Verlauf der an Freiheitsberaubung grenzenden Einkesselung wäre es sicher hilfreich gewesen, wenn diese Parlamentarier/innen zum Schutz ihrer Wähler/innen anwesend gewesen wären. So wurden zunächst nicht einmal Mütter mit ihren unterdessen weinenden Kindern heraus gelassen. Stattdessen wollte man ihnen, sowie selbst betagten Menschen zumuten, zu Fuß und querfeldein, kilometerlange Fußmärsche anzutreten. Erst intensive Verhandlungen einiger Bürger/innen und das einsichtige Handeln eines Polizeibeamten ermöglichten, dass gegen Nachmittag die ersten Busse passieren und Heimkehrer/innen befördern konnten.
Junge Leute trugen es dennoch mit Humor. “Hierr * maarrrschierrt * derr teutsche Obstbestand …”
Und Spötter meinten in Richtung der Polizeiführung: “Ein fünftel der Beamten und ein bisschen mehr Hirn – der Demokratie bliebe viel Verdruss erspart”. Dem ist nichts hinzu zu fügen.
Ein ausführlicher Bericht zur Demo findet sich bei “Frankfurt – No Go Aerea für Nazis”


