Kernkraftwerke verursachen Krebs
8. Oktober 2008 | Von bruni | Kategorie: Deutschland, Politik, ÖkologieAngesichts der angekündigten Veröffentlichung der Stellungnahme der Strahlenschutzkommission (SSK) zur Studie “Kinderkrebs um Kernkraftwerke (KiKK-Studie)” weist die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW darauf hin, dass Kinder umso häufiger an Krebs und Leukämie erkranken, je näher sie an einem Atomkraftwerk wohnen. “Dieses außerordentlich gut fundierte Ergebnis der Kinderkrebs-Studie wird, soweit wir informiert sind, auch von der Strahlenschutzkommission bestätigt”, betont Dr. Angelika Claußen, Vorsitzende der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW. “Die im Zusammenhang mit der Studie erhobenen Fakten weisen alle auf eine Schlussfolgerung hin: Kernkraftwerke verursachen Krebs.”
Gegenstand der Diskussion in Folge der Studie ist laut Claußen allein die Frage, welche genauen Ursachenzusammenhänge für die Krebsentstehung bestehen. So werde versucht, die Freisetzung radioaktiver Substanzen unter anderem über den Schornstein der Atomkraftwerke als Krebs-Ursache in Zweifel zu ziehen.
Die IPPNW erinnert daran, dass man bereits im Rahmen der KiKK-Studie andere Ursachen als die Kernkraftwerke ausschließen konnte. Mit einer zusätzlich durchgeführten Fall-Kontrollstudie sei nämlich geprüft worden, ob sich die Krebserkrankungen beispielsweise durch Pestizide oder durch eine Vielzahl anderer möglicher Einflussfaktoren (Confounder) erklären lasse. “Einen solchen Confounder hat man aber nicht gefunden”, so Dr. Sebastian Pflugbeil, Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz. “Die Forscher vom Mainzer Kinderkrebsregister stellten fest, dass allein der Abstand zu den Atomkraftwerken signifikante Ergebnisse lieferte.”
Nach Angaben der IPPNW stand bei der KiKK-Studie explizit ein möglicher Zusammenhang zwischen der Radioaktivität aus Kernkraftwerken und den Krebserkrankungen auf dem Prüfstand. Das gehe unmissverständlich aus einer Publikation des Mainzer Kinderkrebsregisters aus dem Jahr 2006 hervor.* Darin heiße es zur Methodik der Studie, dass der individuelle Abstand des Wohnhauses der an Krebs erkrankten Kinder als Ersatzgröße (”Surrogat”) für die individuelle Strahlenexposition herangezogen werde.
“Die Nähe zu den Atomkraftwerken war in der Studie also der entscheidende Parameter als Nachweis für den Einfluss der Radioaktivität”, erläutert Reinhold Thiel von der IPPNW, der mit seinen Aktivitäten vor Jahren die KiKK-Studie maßgeblich mit auf den Weg gebracht hat. “Da die Studie zu dem Ergebnis kam, dass Kinder umso häufiger an Krebs und Leukämie erkranken, je näher sie an einem Atomkraftwerk wohnen, muss davon ausgegangen werden, dass der Betrieb der Atomkraftwerke die Krebs- und Leukämieerkrankungen verursacht.”
Die IPPNW fordert Bundesumweltminister Sigmar Gabriel dazu auf, die betroffenen Bürgerinnen und Bürger sachgerecht über diese Zusammenhänge zu informieren und umgehend die Grundlagen der Strahlenschutzgesetzgebung den neuen Erkenntnissen anzupassen. “Die Verhinderung weiterer Erkrankungsfälle muss zum Schutz der Menschen mehr Priorität haben, als politisches Kalkül”, so Thiel.
*Schulze-Rath, Renate, Peter Kaatsch, Sven Schmiedel, Claudia Spix, Maria Blettner: Krebs bei Kindern in der Umgebung von Kernkraftwerken: Bericht zu einer laufenden epidemiologischen Studie, Umweltmedizin in Forschung und Praxis 11(2006)1, 20-26.
Der einzige politisch glaubwürdige Mensch, der Atomkraftwerke in Deutschland tatsächlich dicht machte ist Minister a.D. Dr. Sebastian Pflugbeil (Neues Forum)